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Will man über Resilienz sprechen, darf man über Scheitern nicht schweigen. Das gilt gerade dann, wenn mit einem reflexiven Resilienzbegriff der prozessuale Zuschnitt dieser Beobachtungsperspektive für die Deutung sozio-historischen Geschehens stark gemacht werden soll. Solchermaßen kommen nicht nur Konstellationen eines produktiven Scheiterns in den Blick, sondern ebenso die komplexe Mehrebenenstruktur von Resilienzprozessen, die das Scheitern auf einer mit dem Gelingen auf anderen Ebenen sozialer Prozesse zusammendenken lassen. Zum Themenfeld "Resilienz und Scheitern" versammelt der Band historische und sozialwissenschaftliche Beiträge, die das ambivalente Verhältnis von Resilienzprozessen und Diagnosen des Scheiterns in theoretisch-konzeptioneller Hinsicht ausloten und in ausgewählten historischen Fallstudien vom 13. bis ins 20. Jahrhundert hinein empirisch veranschaulichen. Die Beiträge schreiben damit die Bemühungen der Trierer Forschungsgruppe "Resilienz - Gesellschaftliche Umbruchphasen im Dialog zwischen Mediävistik und Soziologie" fort, ein kritisch reflektiertes Resilienzkonzept für historische und sozialwissenschaftliche Analysen fruchtbar zu machen.
Einleitung.- Modi des Scheiterns religiöser Minderheiten innerhalb hybrider Kulturen im Mediterraneum um 1300.- Szenarien des Scheiterns in jüdischen Supplikationen des 15. und 16. Jahrhunderts.- Zum Scheitern von Sicherheitspolitiken am Beispiel polizeilichen Handelns.- Konturen demokratischer Resilienz.- „Die Wahrheit unterdrücken“:Ein christliches Narrativ von unrechtmäßiger jüdischer Macht in Sevilla vor 1391.- Necessitas Contingentia, Ein Denkmodell der Scholastik.- Kritische Schwellen zwischen Resilienz und Kulturapokalypsen: Erkenntnisse aus den miteinander verbundenen Krisen der Gegenwart.- Philipp Auerbach (1906-1952). Eine Kategorien sprengende Persönlichkeit.- Resilienz bei Hexereianschuldigungen? Das Verteidigungsdossier der Fransa Bonvin aus Chermignon d’en Haut aus dem Jahr 1467.- Kipppunkte von Resilienz. Scheitern als Bedingung und Hemmnis von Resilienzprozessen.- Absolutes Scheitern – absolute Resilienz? Deutungs- und Bewältigungsstrategien bei Folter und Hinrichtung.- Go resilient or go home, Städtische Revolten gegen die französische Herrschaft im spätmittelalterlichen Süditalientba.- Konkurrierende Resilienzprozesse – Das Scheitern des Schöffen und Hexenmeisters Anton Tesch (1629).
Prof. Dr. Martin Endreß, seit 2010 Professor für Allgemeine Soziologie an der Universität Trier. Seine Forschungsgebiete umfassen die Soziologische Theorie, sowie die Wissens-, Vertrauens- und Politische Soziologie. Seit 2010 Editor-in-Chief des Fachorgans "Human Studies. A Journal for Philosophy and the Social Scienes", seit 2016 Mitglied und seit 2019 Sprecher der DFG - Forschungsgruppe 2539 „Resilienz – Gesellschaftliche Umbruchphasen im Dialog zwischen Mediävistik und Soziologie“ und von 2021-2024 Projektleiter und Sprecher der Polizeistudie für das Land Rheinland-Pfalz.


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