Die utopische Gelehrtenrepublik Kastalien ist in der ersten Hälfte des
dritten Jahrtausends angesiedelt und aus einer Gegenbewegung zu den Wirren
des sog. feuilletonistischen Zeitalters entstanden, dem 19. und 20. Jahrhundert.
In dieser Zeit habe der Geist eine unerhörte und ihm selbst nicht mehr
erträgliche Freiheit genossen. Aus Verzweiflung über den moralischen Zerfall
dieser Gesellschaft schufen weitblickende Menschen schließlich ein neues
Reich der Bildung und der Künste. Die höchste Kunst ist die des Glasperlenspiels:
Bei seinen Aufführungen fügen die Spieler Ideen, Gedanken und kulturelle
Werte zu neuen Verbindungen zusammen. In dieser Welt wächst die Hauptfigur
Josef Knecht heran. Durch seine musikalische Begabung macht er erste Bekanntschaft
mit den Ideen des kastalischen Ordens. In der Eliteschule der Glasperlenspieler
gelangt er in den Kreis der Erwählten. Der Gelehrte Jakobus macht ihn mit
der Welt der Geschichte bekannt, die in Kastalien nicht existiert. Erstmals
stellt Knecht die Absolutheit des Gelehrtenstaats in Frage und begreift,
dass auch die kastalische Kultur nur eine verweltlichte Neben- und Spätform
der christlich-abendländischen Kultur ist, dem geschichtlichen Wandel und
damit der Vergänglichkeit unterworfen. Kaum 40-jährig wird Knecht zum Magister
Ludi, dem Glasperlenspielmeister, gewählt. Später sieht er für sich die
Notwendigkeit, neue Wege zu beschreiten, und nimmt das Angebot seines Jugendfreundes
Plinio an, dessen Sohn zu unterrichten. Bei einem Wettschwimmen zwischen
Schüler und Lehrer ertrinkt Knecht in einem Gebirgssee.